In Zukunft: Kompetenzzentrum im Berufsbildungsnetzwerk

Das Schulgesetz legt seit seiner Entstehung im Jahre 2004 als Entwicklungsziel das Paradigma „Kompetenzzentrum“ fest. Die Weiterentwicklung der OSZ in Berlin wird sich an globalen Trends zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft messen lassen sowie an den Entwicklungslinien der Region Berlin-Brandenburg und der Metropolenfunktion der Hauptstadt. Den regionalen Innovationssystemen ist eine erhöhte Bedeutung beizumessen. Das Kompetenzzentrum wird so zur Drehscheibe des Wissenstransfers einer lernenden Region, die die Konkurrenz nach innen mindert, um die Wettbewerbsfähigkeit nach außen zu stärken.

Netzwerke sind hierarchischen Systemen hinsichtlich Flexibilität und Dynamik überlegen. In der berufsbildungspolitischen Diskussion spiegeln sie umfassende Strukturwandlungen, die auf ein völlig neues Staatsverständnis hinauslaufen: Grundsätzlich gleichberechtigte, voneinander unabhängige Akteure gleichen im Dialog ihre Interessen ab. „Regional Governance“ setzt auf Vereinbarung und Eigenständigkeit der Subsysteme statt auf Weisung und zentrale Steuerung. Dies bedingt die weitgehende Autonomie der Kompetenzzentren in inhaltlicher, finanzieller und personeller Hinsicht. In einem solchen Modell würden allein Ziele vorgegeben und Budgets verhandelt. In der Wahl der Mittel und in ihrem Einsatz, in der Wahl des notwendigen Personals und in der Entwicklung der Produkte wären sie eigenständig.

Das OSZ Berlin als Kompetenzzentrum benötigt qualifiziertes Personal auf der Höhe der Zeit, das über Spezialkenntnisse und Praxiswissen im betreffenden Feld verfügt. Universitär gebildete Berufspädagogen, die sich insbesondere auch für Aufgaben in der Weiterbildung qualifizieren, Seiteneinsteiger aus einschlägigen Branchen, aber auch Praktiker als Dozenten und Lehrbeauftragte bilden ein breites Spektrum an pädagogischem Personal von hoher Flexibilität und Dynamik. Zur Weiterentwicklung von OSZ zu Kompetenzzentren sind erhebliche Investitionen, zur Erlangung wirtschaftlicher Eigenständigkeit hohe Anschubfinanzierungen erforderlich. Mit der momentanen Ausstattung an nichtpädagogischem Personal (Systemadministratoren, Bibliothekare, Labortechniker, Medienwarte etc.) und der auf die Schulsekretariate beschränkten Verwaltung ist eine eigenständige Organisation schwer zu leisten. Neue Leitungsfunktionen werden gebraucht, der Schulleiter als Manager eines Kompetenzzentrums ist durch ein Leitungsteam zu unterstützen. Die Übernahme der eigenverantwortlichen Bewirtschaftung bei voller Budgetverantwortung macht eine kaufmännische Betriebsführung mit Kassenführung und Buchhaltung erforderlich. Einnahmen aus Vermietungen und Serviceleistungen an Dritte, marktfähige Kursangebote, Schulsponsoring einerseits und das Erkennen von Sparpotenzialen andererseits kann den effizienten Ressourceneinsatz erhöhen.

Karl-Heinz Wolf
ehem. Schulleiter OSZ Lotis