Die Neunziger – Mauerfall und OSZ-Ergänzungsprogramm

Nach der Wiedervereinigung war es das erklärte Ziel aller Akteure in der beruflichen Bildung, eine schnelle Angleichung der Bildungssysteme herzustellen. Anders als in den allgemeinbildenden Schulen waren die Kollegien im Ostteil der Stadt durchmischte Kollegien. Seit 1995 konnte beobachtet werden, dass zunehmend auch die Funktions- und Leitungsstellen in den berufsbildenden Schulen der östlichen Bezirke besetzt worden sind.

Unmittelbar nach der Wende wurde das OSZErgänzungsprogramm ausgearbeitet. Mit diesem Programm sollte das OSZ-Konzept im Ostteil der Stadt etabliert werden. Seit Mitte der 90er Jahre war das OSZ-Ergänzungsprogramm von der finanziellen Situation des Landes Berlin, aber auch von den sich verändernden Schülerströmen geprägt. Nach der Wiedervereinigung verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation Berlins dramatisch. Gründe dafür sind die Streichung der Zuwendungen für die Stadt und das Abwandern von Industrie aufgrund des Abbaus der Subventionen. Infolgedessen stagnierte Anfang der 90er Jahre die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze und nahm Ende der 90er Jahre sogar ab. Gleichzeitig jedoch wuchs die Zahl der Jugendlichen, die die allgemeinbildenden Schulen verließen und von denen der größte Teil einen Ausbildungsplatz suchte, von 25.583 im Schuljahr 1991/92 auf 38.826 im Schuljahr 1998/99.

Die im OSZ-Ergänzungsprogramm geplanten neuen Standorte konnten die gestiegene Nachfrage nicht völlig befriedigen. Die bereits bestehenden Schulen mussten erhebliche Verdichtungen auf sich nehmen. Das Land Berlin reagierte sowohl mit der Bereitstellung staatlich finanzierter, außerbetrieblicher Ausbildung bei Bildungsträgern als auch mit dem Ausbau vollschulischer Bildungsangebote, die mit Kammerprüfung abschließen, und mit Angeboten an Berufsfachschulen, die mit einer staatlichen Abschlussprüfung enden. Für Jugendliche, die auch in diese Bildungsgänge nicht aufgenommen werden konnten, stellte das Land  Berlin zunehmend Plätze im 11. Pflichtschuljahr zur Verfügung (VZ 11-Lehrgänge, 1jährige Berufsfachschule und Ende der 90er Jahre MDQM). Für die Oberstufenzentren brachte die Zentralisierung der Schulträgerschaft zum Teil deutliche Verbesserungen, insbesondere in finanziellen Angelegenheiten.

Wie von vielen befürchtet, reduzierte sich aber die Verankerung im Bezirk erheblich.