Die Achtziger – Fette Jahre in der Mauerstadt

Nach der Eröffnung der ersten sechs Standorte wurde das OSZ<-Programm zügig fortgeführt. 27 Standorte waren geplant, von denen aber nur 14 als Neubauten entstehen sollten. Insgesamt 18.000 Schülerplätze sollten neu entstehen, um dem steigenden Bedarf im damaligen West-Berlin gerecht werden zu können. Die Zahl der Schülerplätze schwankte stark: Zwischen 420 im OSZ< Textiltechnik und 1.860 im OSZ< Handel. Zum OSZ<-Programm gehörte auch der Neubau von 23 Turn- und Sporthallen mit einer Fülle von Sportplätzen und -anlagen. Die Hallen wurden teilweise sogar mit Bühnen ausgestattet, um für Sportveranstaltungen Zuschauer unterbringen zu können. Jedes OSZ< Berlin wurde individuell geplant, denn jedes Berufsfeld hatte seine eigenen Anforderungen. Für alle aber wurde in bewusster Abkehr von den Mittelstufenzentren die natürliche Belichtung und Belüftung der Arbeits- und Aufenthaltsräume vorgesehen. Nur Hörsäle, Werkstätten, Mensa oder Bibliothek durften Lüftungsanlagen erhalten.

Dass man auch zwei Berufsfelder in einem Gebäude ansiedeln kann, bewiesen die Planer mit dem Standort Cyclopstraße: Dort wurden zwei organisatorisch selbstständige Schulen von sehr unterschiedlicher Größe und mit eigener Leitungsstruktur untergebracht. Jede beansprucht einen eigenen Gebäudetrakt mit eigenem Eingang. Im dazwischen liegenden Bereich befanden sich u.a. Bibliothek und Studienseminar. Die Schulen nutzen auch Sportanlagen und Freizeitbereiche gemeinsam. Die Cafeteria wurde einem Pächter übergeben, die Mensa jedoch von vornherein als Teil der Ausbildung im Berufsfeld Ernährung betrieben. Für die Vollzeitbildungsgänge der Fachschule für Lebensmitteltechnologie und die Ausbildung der Drucker gab es modernste Anlagen.

Doch auch lernschwachen und schwer zu motivierenden Schülern ohne Abschluss sollte mit praxisbezogenen Lehrgängen der Einstieg ins Berufsleben nahegebracht werden. Bei Eröffnung im Juni 1983 hatte das OSZ< Drucktechnik 370 Berufsschüler, das OSZ< Ernährung dagegen 3.100. Im Vollzeitbereich war das Verhältnis 120:370. Die Zusammenfassung in einem Komplex war u.a. ein Zugeständnis an die geringe Zahl verfügbarer Baugrundstücke mit S- oder UBahnanschluss. Das Land Berlin finanzierte das OSZ<-Programm der ersten Stufe ausschließlich mit Eigenmitteln. Mit über 100 Millionen DM war das OSZ< Bau/Holz in der Nonnendammallee nicht nur einer der größten, sondern auch der teuerste Standort. Auch hier weitläufige Werkstätten, Bibliothek/Mediothek und Cafeteria/Mensa. Eigens für die Schornsteinfeger wurde ein Labor für Wärmetechnik installiert, das in Kombination mit einem eigenen Heizraum und unterschiedlichen Schornsteinzügen äußerst komplizierte Messungen ermöglicht. Auf dem Dach wurde neben der Schornsteinbühne auch eine Beobachtungsplattform für die Vermessungstechniker eingerichtet.

Eine Innovation stellte auch die Berufsfachschule für Bauhandwerker dar. Mit systematischer Fachpraxis und erweiterter Berufstheorie sollten Vollzeitschülern alle Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs ermöglicht werden. Um so praxisnah wie möglich ausbilden zu können, durfte die Schule u.a. die hölzerne Innentreppe in der Spandauer Zitadelle im öffentlichen Auftrag erstellen.